Maulkörbe – Schutz & Freiheit für Hund-Mensch-Teams

Hand aufs Herz: Was denkt ihr, wenn ihr einen Hund mit Maulkorb seht?

Wer kennt es nicht? Auf dem Spaziergang kommt uns ein Hund entgegen – und er trägt einen Maulkorb. Ganz automatisch werden viele Menschen aufmerksamer. Manche wechseln sogar die Straßenseite oder nehmen ihre Kinder näher zu sich. Schließlich scheint die Sache klar: Ein Hund mit Maulkorb muss gefährlich sein.

Doch ist das wirklich so?

Die kurze Antwort lautet: Nein!

Ein Maulkorb ist vor allem ein Zeichen dafür, dass Hundehalterinnen und Hundehalter Verantwortung übernehmen und sich Gedanken um die Sicherheit ihres Hundes und seiner Umgebung machen.

Die Gründe für das Tragen eines Maulkorbs sind vielfältig. Manche Hunde benötigen ihn, um andere Hunde oder Menschen zu schützen. In solchen Fällen hilft ein Maulkorb dem Hund-Mensch-Team dabei, Situationen entspannter zu bewältigen und kann ein wichtiger Bestandteil des Trainings sein.

Besonders dort, wo die individuelle Wohlfühldistanz eines Hundes nicht eingehalten werden kann – beispielsweise in Fußgängerzonen, Tierkliniken oder öffentlichen Verkehrsmitteln – trägt er zur Sicherheit aller Beteiligten bei. Bei unseren Tierschutzhunden benötigen wir anfangs häufig einen Maulkorb im Alltagstraining, da viele Situationen noch Unsicherheiten mit sich bringen.

Andere Hunde tragen einen Maulkorb zu ihrem eigenen Schutz, etwa weil sie unterwegs alles fressen, was ihnen vor die Nase kommt. Ein geeigneter Maulkorb kann verhindern, dass Giftköder, Unrat oder andere gefährliche Dinge aufgenommen werden.

Darüber hinaus gibt es Situationen, in denen das Tragen eines Maulkorbs vorgeschrieben ist, beispielsweise in bestimmten Trainingsgruppen einer Hundeschule oder im Urlaub, wenn vor Ort entsprechende Regelungen gelten.

Ein Maulkorb sagt also deutlich weniger über das Wesen eines Hundes aus, als viele Menschen zunächst vermuten.

Unsere Kollegin Lena ist seit vielen Jahren als Pflegestelle für die STREUNERHerzen aktiv. Gleichzeitig ist sie Maulkorbberaterin und hilft Hunden dabei, den perfekt passenden Maulkorb zu finden. Natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt und ihr einige Fragen gestellt.

Viele Hundehalterinnen und Hundehalter sorgen sich, dass sie ihren Hund mit einem Maulkorb „quälen“ könnten. Lena berichtet jedoch, dass ein gut sitzender Maulkorb den Alltag des Hundes möglichst wenig einschränkt, ohne dabei seine eigentliche Funktion zu verlieren. Ein gutes Zeichen für den richtigen Sitz sei daher, dass der Hund den Maulkorb nach kurzer Zeit kaum noch wahrnimmt.

Der Hund sollte auch mit Maulkorb ausreichend hecheln, gähnen, trinken, sich normal bewegen, im Zweifel erbrechen und entspannen bzw. schlafen können. Auch die Körpersprache des Hundes sollte durch einen Maulkorb möglichst wenig eingeschränkt werden: Andere Hunde können Mimik und Signale (z. B. Runzeln am Nasenrücken oder feine Gesichtsausdrücke) bei offenen Materialien meist besser erkennen als bei geschlossenen. Besonders spannend: Es gibt sogar Hunde, die mit ihrem Maulkorb fressen und Leckerchen aufnehmen können. Wichtig sei daher die richtige Auswahl eines passenden Modells je nach Einsatzzweck.

Vor dem Kauf sollte man sich also ausreichend Gedanken über den individuellen Einsatzweck des Maulkorbs machen. Geht es um Sicherheit und Bissprävention sind bspw. andere Kriterien wichtig, als bei der Verhinderung von Futteraufnahme. Auch gibt es sehr unterschiedliche Materialien und Qualitäten. Viele Menschen kennen vor allem Modelle aus dem Tierfachhandel (oft Kunststoff / Plastik oder sehr eng geschnittene Varianten), die häufig nicht optimal sitzen und dem Hund zu wenig Raum zum Hecheln geben. Daneben gibt es u. a. Leder-, Biothane- und Drahtmaulkörbe.

Ein weiterer Tipp von Lena: Regelmäßiges Maulkorbtraining sollte ganz selbstverständlich in den Alltag integriert werden. So verknüpft der Hund den Maulkorb nicht ausschließlich mit stressigen Situationen wie Tierarztbesuchen oder schwierigen Begegnungen.

Ein Satz aus unserem Gespräch mit Lena ist uns besonders im Gedächtnis geblieben:

„Ein Maulkorb bedeutet für viele Hund-Mensch-Teams Freiheit!“

Lenas Botschaft auf den Punkt gebracht: Ein gut passender Maulkorb bedeutet Sicherheit und gleichzeitig möglichst wenig Einschränkung. Für viele Hunde bedeutet dies Freiheit und Entspannung im Alltag, da sie am öffentlichen Leben teilnehmen können ohne sich oder ihre Umwelt zu gefährden. Leider begegnen Menschen mit Maulkorb tragenden Hunden immer noch häufig Vorurteilen. Dabei sind diese Hunde oft die sichersten überhaupt.

Lena liebt deshalb Maulkörbe in bunten Farben und mit fröhlichen Mustern. Sie helfen dabei, das Bild vom „bösen Hund mit Maulkorb“ aufzubrechen. Gleichzeitig gibt es durchaus Menschen, die die abschreckende Wirkung bewusst nutzen. Ein Kunde von Lena legte seinen Maulkorb beispielsweise als Einbruchschutz gut sichtbar ins Fenster seines Wohnmobils. Auch Hunde, die keinen Kontakt zu fremden Menschen oder Artgenossen wünschen, profitieren manchmal davon: Durch den Maulkorb werden ihre Grenzen häufiger respektiert und distanzlose Annäherungen bleiben eher aus.

Mit diesem Artikel möchten wir dafür sensibilisieren, dass ein Maulkorb für viele Hunde wichtig, sinnvoll und manchmal sogar unverzichtbar ist.

Gründe für das Tragen eines Maulkorbs auf einen Blick

Zum Schutz anderer
  • bei unsicheren oder reaktiven Hunden
  • als Unterstützung im Training
  • bei Tierarztbesuchen
  • in herausfordernden Begegnungssituationen
Zum Schutz des Hundes
  • als Fressschutz
  • zum Schutz vor Giftködern
  • gegen das Aufnehmen von Unrat oder Fremdkörpern
  • nach Operationen oder in besonderen medizinischen Situationen
Aufgrund von Vorschriften oder als Vorsorge
  • in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • auf Reisen und im Urlaub
  • in Gondeln oder auf Fähren
  • bei Tierarztbesuchen
  • für den Notfall

Wenn ihr also das nächste Mal einem Hund mit Maulkorb begegnet, denkt an diesen Artikel. Vielleicht steckt hinter dem Maulkorb nicht Gefahr, sondern einfach ein Mensch, der Verantwortung übernimmt – und ein Hund, der dadurch mehr Freiheit genießen kann.

Ihr braucht einen Maulkorb für euren Hund? Wir empfehlen euch besonders auf einen richtig guten Sitz zu achten. Viele Hersteller bieten individuelle Maßanfertigungen an und sicher gibt es auch Maulkorbberatungen vor Ort in eurer Nähe. Da wir Lena persönlich kennen, können wir ihre Maulkorbberatung besonders empfehlen: https://lena-about-dogs.de/maulkorbberatung/