Adventskalender – Türchen Nr. 8

Stella-Lucia und ihr Lebenslicht in dunkler Zeit

Ein kleines Weihnachtsmärchen

Es war einmal, in einem Jahr, das kalt und grau begann, eine kleine tricolor Katze, die in ihrem bisherigen Leben mehr Schatten als Licht erlebt hatte. Ihr Name war Stella-Lucia, und schon dieser Name klang wie etwas, das eigentlich strahlen wollte.

An einem nassen, ungemütlichen Märztag fand man die kleine Katzenseele im Straßengraben – still, unterkühlt und schwer verletzt. Ein Schädel-Hirn-Trauma, ein gebrochener Kiefer, schlechte Blutwerte und vom Unfall stark geschwollene Augen ließen das Schlimmste befürchten.
Die Ärzte stellten fest, dass sie fast all ihre Sinne verloren hatte: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken. Ihre Welt war dunkel und leise geworden, und die Prognose, die nächsten Tage zu überstehen, war denkbar schlecht.

Doch im Inneren dieses kleinen Wesens glimmte etwas, das man nicht messen konnte: ein Rest Mut und Lebenswille, der sich nicht auslöschen ließ.

Der Weg durch die Dunkelheit

Wochenlang lernte Stella-Lucia in unserer Katzenstation Schritt für Schritt zurück ins Leben zu finden. Sie erhielt Wärme, Ruhe, Nahrung und unermüdliche Fürsorge.

Und Stella-Lucia antwortete mit etwas, das sich wie der Beginn eines leisen Märchens anfühlte:
Sie blieb nicht stumm, nicht verschlossen – sie suchte Nähe, vertraute, ließ sich führen, obwohl sie nichts außer Berührung wahrnehmen konnte.

So wurde aus einem kleinen Funken langsam ein Licht.

Die Reise in eine neue Welt

Einige Wochen später hielt sie – bildlich gesprochen – ihr Ticket nach Deutschland in den Pfötchen. Stella-Lucia durfte auf eine Pflegestelle nach Düsseldorf reisen. Dort begann ihr Wintermärchen – langsam, still und stetig:

Ihr Gehör kehrte zurück.
Der Duft der Welt fand wieder zu ihr.
Und auch ihr Geschmackssinn erwachte erneut.

Die Blindheit blieb, doch sie lernte, ihre Umgebung zu ertasten wie ein erfahrener Wanderer, der den Weg auch ohne Sterne findet. Alles hatte seinen Platz, alles bekam seine Ordnung – ihr ganz eigenes, sicheres Königreich.

Ein kleines großes Wunder

Es geschah das, was man im Märchen ein Wunder nennen würde – doch in Wahrheit war es das Ergebnis von Vertrauen, Geduld und unermüdlichem Lernwillen.

Stella-Lucia bewegt sich heute so sicher, als hätte sie nie anders gelebt.
Sie reagiert auf Geräusche, findet mühelos ihre Lieblingsplätze und sucht aus eigener Kraft Nähe. Sie schnurrt, wenn man sie berührt, und ruht entspannt, als läge ihre schwere Vergangenheit weit hinter ihr. Wenn man sich zu ihr hinunterbeugt, ertastet sie vorsichtig das Gesicht ihres Menschen mit der Pfote, um anschließend ihr Köpfchen sanft an dessen Stirn zu drücken.

Sie spielt ausgelassen, wälzt sich begeistert in ihrer Kiste voller Laub und genießt jeden Moment ihres neuen Lebens.

„Manchmal beginnt ein Wunder nicht mit einem großen Knall – sondern mit kleinen Schritten.“

Ein Wunsch für die Zukunft

Nun wünscht sich Stella-Lucia einen Ort, an dem dieses Märchen weitergehen darf: Menschen, die ihr mit ruhigen Händen Sicherheit schenken, mit festen Abläufen Orientierung geben und ihr mit Geduld immer wieder neue, sanfte Eindrücke ermöglichen.

Einen Palast braucht sie nicht – nur ein liebevolles Zuhause bei Menschen, die sie auf ihrem weiteren Weg begleiten.

Und vielleicht, so endet dieses Weihnachtsmärchen,
ist genau jetzt irgendwo jemand,
der sich wünscht, dass ein leiser, mutiger Stern
sein Leben erhellt.