22.02.2022 – Martino hat uns heute verlassen

 

Martino, unser Bärchen – wenn das Schicksal andere Pläne hat

Warum, ja warum? Frage ich mich so oft…

Elf lange Jahre haben du und dein Bruder im Tierheim verbracht. Als ganz kleine Knirpse, zusammen mit weiteren Geschwistern und deinem Vater, seid ihr dort vor etlichen Jahren angekommen. Nie fragte irgend jemand nach euch, nie seid ihr aufgefallen, niemals habt ihr eine Chance bekommen. Es verging über ein Jahrzehnt, bis sich endlich eine wunderbare Pflegestelle fand, die “Ja” zu euch sagte.

So kam DER Tag und du durftest reisen. Lieber Martino, was soll ich sagen? Du bist angekommen und warst da. Du zeigtest dich von deiner besten Seite, warst nie aufdringlich und stets bemüht, alles richtig zu machen. Du freutest dich so sehr über dein Spiegelbild und hast es immer freundlich begrüßt. Spaziergänge waren für dich das Größte und als Highlight des Tages bist du abends immer bei deiner Freundin Bonnie vorbeigehuscht. Egal wo du hinkamst, überall wurdest du süßes Bärchen gerne gesehen und dein Blick ließ das härteste Herz schmelzen. Sogar eine passende Familie für dich und noch dazu mit deinem Bruder, hattest du schon gefunden.

Doch dann kam der Tag, der alles veränderte.

Deine Pflegefamilie bemerkte eine Beule auf deinem Kopf und ließ es untersuchen. Die Diagnose lautete bösartiger Tumor und keiner konnte sagen, wie viel Zeit dir noch bleibt. Deine Pflegestelle hat sofort beschlossen, dass ein weiterer Umzug für dich nicht mehr infrage kommt. Du solltest bleiben, sie wollten dich begleiten. Ab sofort wurde dir jeder Wunsch von den Augen abgelesen und du bestimmtest, was gerade zu tun ist. Du hast gelernt zu betteln und liebtest Leckerchen über alles, was man an deinen Hüften sehen konnte. Aber du hattest schließlich nichts mehr zu verlieren und konntest nur noch gewinnen. Deine Pflegefamilie hat tatsächlich alles getan, um dir die letzten Tage so schön wie möglich zu machen.

Und am Ende ging dann plötzlich alles ganz schnell, der Tag des Abschiedes kam viel zu früh- wie immer. Eine große Leidenschaft von dir wurde das Mitfahren im Auto und dort im Auto hast du deine Augen, begleitet von deiner Familie, für immer geschlossen.

Zurück bleiben wir in unendlicher Traurigkeit, aber mit dem Wissen, dass du als geliebter Hund in Geborgenheit sterben konntest.

Machs gut, Bärchen, run free….

Sein Pflegefrauchen schreibt:

Martino, unser Bärchen, unser Herzenshund, der der nie forderte, doch über jede Kleinigkeit glücklich war.

Lieber Martino,

als wir im Oktober 2021 wieder einen Pflegehund aufnehmen wollten, sollte es einer sein, der schon alt und sehr ängstlich ist, einer, der eigentlich kaum eine Chance hat, nochmal aus dem Tierheim L.I.D.A. zu kommen. Du warst jetzt 11 Jahre alt; seit du zwei Tage alt warst, lebtest du bereits im Tierheim, kanntest nichts außer deinem staubigen, kleinen Gehege. Menschen fandest du stets unheimlich und hast dich in deinem ganzen Leben nie anfassen lassen.

Wir wollten dich in Pflege nehmen, wir hatten uns darauf eingestellt, keine Erwartungen an dich zu stellen, dir Zeit zu geben.

Und dann kamst du … Warst sofort da, mitten im Leben, hast einfach alle Ängste auf Sardinien gelassen.

Du liebes Bärchen, warst einfach nur so lieb und dankbar. Was kommt mir jetzt ein Schmunzeln, wenn ich an meine schlaflose Nacht denke, die Nacht, in der du vor Liebeskummer geheult hast wie ein Wolf. Am Abend war eine tolle Hündin einer Freundin uns besuchen und du bist um sie herumgetanzt wie ein junger Casanova. Du warst verliebt und hast ihr nachgeheult, als sie wieder ging.

Da du so wundervoll warst, beschlossen wir, deinen Bruder Mirto Bello nachzu- holen. Mit ihm hast du dein Leben verbracht. Die Nacht, als er ankam, warst du erst einmal nicht begeistert, vielleicht hattest du Angst, dein neues, tolles Leben wieder zu verlieren? Doch ihr wuchst wieder zu einer Einheit zusammen. Kurze Zeit später lagt ihr immer zusammen, fraßt zusammen, erst einen Napf leer, dann zusammen den anderen. So wollten wir euch nie wieder trennen.

Und dann kam sie, die Anfrage. Das Traumzuhause für euch beide. Die tollen Menschen waren euch besuchen und freuten sich riesig auf euch.

Eine Woche vor eurem Umzug kamst du morgens aus dem Garten und hattest eine kleine Beule auf der Stirn. Ich dachte ‘Oh, er hat sich bestimmt gestoßen’ Doch im Laufe der Woche wurde die Beule größer und du begannst zu niesen. Einen Tag vor eurem Umzug ließ ich das bei meiner Haustierärztin untersuchen. Der Verdacht ein Schock: ‘Knochenstruktur der Nase angegriffen, vlt. Krebs, Empfehlung zum CT.’

Euer Umzug war abgeblasen. Eure neuen Menschen in spe todtraurig und wir völlig geschockt.

Ein riesen Dank an die STREUNERHerzen, denn einen Tag vor Heiligabend, nur ein paar Tage später, hatten wir einen CT Termin. Dann der Anruf aus der Klinik: Die ganze eine Nasenhöhle nur noch Tumormasse, an zwei Stellen bereits ins Gehirn durchgebrochen. Die Klinik fragte, ob sie dich in Narkose lassen soll. ‘Auf keinen Fall’ schoss es aus mir raus. Solange hast du auf das Leben, das du jetzt hattest, gewartet, da sollst du jeden Tag davon auch genießen, auch wenn die Zeit knapp sein würde. Schwanzwedelnd gingst du mit mir aus der Klinik.

Wir fingen an, dich zu verwöhnen, die besten Leckerchen, ganz viel kuscheln. Du lerntest schnell, an der Küchentüre penetrant zu kratzen und immer bekamst du dein Lieblingsleckerchen. Jan kochte jeden Tag für dich. Spazierengehen war das Beste für dich und am liebsten liefst du ohne Leine, erkundetest jede Hauseinfahrt. Wir hatten ein paar Momente mit Nasenbluten, aber die waren kurz und dank des Cortisons hatten wir auch dein Niesen soweit im Griff.

Du warst unser Martinobärchen, ein Leben ohne dich undenkbar.

Und dennoch blieben dir, bis auf eine Tag, nur noch zwei Monate. Wir haben jeden Moment mit dir genossen und du bist so tief in unserem Herzen, wie kaum einer. Warum musste so ein toller Hund so lange im Tierheim warten?

Auch wenn deine Zeit kurz war, ich hoffe, wir konnten dir nochmal all das geben, was dir im Tierheim verwehrt blieb. Die lieben Menschen, die dich und deinen Bruder Mirto Bello adoptieren wollten, haben so geduldig auf deinen Bruder gewartet und nach deinem Tod hat dein Bruder mit eurem Cousin zusammen dort ein Traumzuhause gefunden.

Ich würde mir so sehr wünschen, dass kein Hund der Welt so gut wie sein ganzes Leben im Tierheim verbringen muss oder gar im Tierheim sterben muss. Martino, wir denken an dich mit Freude und Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass wir dich noch rechtzeitig aus dem Tierheim geholt haben.

Wir haben dich lieb. Deine Sandra und dein Jan