Irgendwann war es so weit: Der Wunsch, mein Leben wieder mit einem Hund zu teilen – neben meinen Katzen, meinem Pferd und den Hühnern – wurde immer klarer und stärker. Als ich Lotta (damals noch Luna) auf der Internetseite der STREUNERHerzen sah, ihren Steckbrief las und mir das Video anschaute, wusste ich sofort: Sie ist es.
Nach der Kontaktaufnahme mit dem Verein STREUNERHerzen, dem Ausfüllen des Fragebogens und der Vorkontrolle stand fest: Lotta darf kommen.
Aufgrund ihres sehr vorsichtigen und schüchternen Verhaltens Menschen gegenüber wurde gemeinsam mit dem Verein überlegt, wie ihr Start in Deutschland möglichst sicher gestaltet werden kann. Gerade für Hunde wie Lotta schafft STREUNERHerzen besondere Lösungen durch enge Kooperationen mit Hundetrainern oder -schulen.
Ich entschied mich, ein solches Angebot anzunehmen, und so kam Lotta am 23.11.2025 nachts in Unna an, und Melanie und Marcus von DogsFit4Future holten sie ab. Diese Entscheidung, die durch den Verein ermöglicht und begleitet wurde, erwies sich im Nachhinein als enorm wertvoll.
Marcus und Melanie nahmen nicht nur Lotta in Empfang, sondern auch mich am nächsten Tag. Von Beginn an ging es darum, uns beiden genau das zu vermitteln, was wir brauchten: Ruhe, Sicherheit, Struktur, Zeit und Verständnis, aber auch Durchsetzungsvermögen – und vor allem kein Mitleid. Schritt für Schritt – vom Treppensteigen bis hin zum grundsätzlichen Umgang mit Menschen – wurde Lotta behutsam an ihre neue Welt herangeführt.
Ich hatte die Möglichkeit, vor Ort zu bleiben und Lotta in einem geschützten Rahmen kennenzulernen. So konnten wir uns ohne Druck annähern, und Lotta machte gleichzeitig erste Erfahrungen im Zusammenleben mit Katzen. Besonders wertvoll war dabei die kontinuierliche fachliche Begleitung, die mir Sicherheit gab und half, Situationen richtig einzuordnen und angemessen zu reagieren. Dieses begleitete Kennenlernen zwischen Hund und Mensch war für mich von unschätzbarem Wert.
In regelmäßigen Abständen suchten wir den Kontakt zu Lotta, und mit jedem Mal wuchs das Vertrauen ein Stück mehr. Noch am selben Abend war es selbstverständlich für sie, dass sie bei mir im Zimmer übernachtete, von mir ihr Futter bekam und erste vorsichtige Streicheleinheiten zuließ.
Was diese Tage so besonders machte, war die durchgehende Unterstützung. Fragen konnten jederzeit gestellt werden, Erfahrungen wurden geteilt, und ich durfte beobachten, wie schnell, aber ruhig Lotta in das kleine Rudel integriert wurde. Auch bei den ersten Spaziergängen war diese Begleitung eine große Hilfe – nicht nur für Lotta, sondern auch für mich. Sie gab mir die Sicherheit, ihr einen guten Start zu ermöglichen.
Bereits zwei Tage später, am Dienstag, fuhren wir gemeinsam nach Hause.
Dort war zunächst alles neu und aufregend: meine beiden Katzen, neue Abläufe wie Gassigehen, Fressen und Schlafen. Doch erstaunlich schnell fand Lotta ihren Platz – zuerst auf ihrem Hundekissen, dann auf dem Sofa und kurze Zeit später sogar im Bett.
Die ersten Spaziergänge absolvierte ich bewusst allein mit ihr, fernab von großen Reizen: Feldwege, Ruhe, Zeit. Später folgten Spaziergänge mit meiner weltallerbesten Freundin Beate und ihren Hunden – mal zu dritt, mal zu viert. Auch das funktionierte überraschend gut. Lotta wurde mit ihrer Schüchternheit akzeptiert und begann sichtbar, sich wohlzufühlen. Unser Rudel wuchs weiter, und selbst der erste große Weihnachtsspaziergang mit über 30 Hunden war ein voller Erfolg.
Es gab Momente, in denen ich dachte: „Tanja, warum tust du dir und Lotta das an?“ – doch spätestens am nächsten Tag wusste ich wieder genau, warum. Lotta wächst an ihren Aufgaben und Erfahrungen.
In der ersten Woche arbeitete ich komplett von zu Hause aus, danach nahm ich sie bereits für einen halben Tag mit ins Büro. Heute ist all das selbstverständlich – auch wenn es das eigentlich nicht ist.
Besonders berührend sind die kleinen Fortschritte: die ersten Massagen, die sie sichtlich genießt, das freiwillige Hinlegen auf die Seite oder sogar auf den Rücken, damit ich ihren Bauch streicheln kann. Diese Nähe, diese Berührungen – für viele normal – sind für uns von unschätzbarem Wert.
Natürlich gab es Situationen, in denen ich dachte (O-Ton vom Trainer): „Ich rolle mir eine Zeitung zusammen und haue sie mir gegen die Stirn.“ – weil ich etwas falsch gemacht habe …
Zum Beispiel mein „Springen ins Bett“ als Aufforderung an Lotta zu spielen, was für sie eine totale Reizüberflutung war. Doch auch daraus habe ich gelernt – begleitet, aufgefangen und reflektiert.
Heute läuft Lotta ganz selbstverständlich im Rudel mit – noch an der Schleppleine – und man sieht ihr förmlich an, wie sehr sie ihr Leben genießt: die Menschen, die Hunde, die gemeinsamen Erlebnisse.
Jeder Tag ist neu. Jeder Tag ist anders. Manchmal geht man einen Schritt zurück, um danach zwei nach vorne zu machen.
Warum ich diesen Erfahrungsbericht teilen möchte?
Weil ich zeigen möchte, was möglich ist, wenn ein Verein wie STREUNERHerzen nicht nur Hunde vermittelt, sondern individuelle Wege begleitet – insbesondere bei sensiblen Angsthunden und ihren Menschen, um beiden mehr Sicherheit zu geben. Mit Fachwissen, Geduld, Anleitung, Zeit und Vertrauen wurde aus einer Angsthündin eine wundervolle Begleiterin.
Ich bin unendlich dankbar für die Unterstützung durch STREUNERHerzen und die professionelle, ruhige und liebevolle Begleitung im Rahmen ihrer Kooperation mit DogsFit4Future. Ohne diesen gemeinsamen Weg wäre Lottas Start – und meiner – so nicht möglich gewesen.
Anmerkung von uns als Verein
Wir möchten und dürfen nicht um jeden Preis vermitteln. Verantwortung gegenüber unseren Hunden bedeutet für uns, genau hinzusehen und realistisch einzuschätzen, für welche Tiere ein Leben in einem menschlichen Umfeld erstrebenswert ist.
Mindestens zweimal im Jahr reisen wir nach Sardinien, um unsere Hunde persönlich kennenzulernen. Dabei beobachten wir unter anderem, wie sie auf Nähe reagieren, ob sie sich anfassen lassen und wie sie mit Druck umgehen. Uns ist wichtig, Hunde zu erkennen, die grundsätzlich in der Lage sind, eine Beziehung zum Menschen aufzubauen.
Natürlich schließen wir Angsthunde nicht grundsätzlich von der Vermittlung aus, aber entscheidend ist für uns immer die passende Kombination aus Hund, Erfahrung der Adoptanten oder Pflegestellen und dem jeweiligen Umfeld. Deshalb legen wir großen Wert auf eine sorgfältige Vorbereitung, sichere Transportbedingungen (z. B. Box-in-Box), ein vom Verein gestelltes Sicherheitsgeschirr schon beim Transport sowie den Einsatz von Trackern – bei Pflegestellen und als Voraussetzung bei Adoptionen. Diese Maßnahmen beruhen auf unseren Erfahrungen – vor allem auf den negativen.
Bereits im Vorfeld klären wir, ob Mensch und Hund eine fachliche Begleitung benötigen oder wünschen. In besonders herausfordernden Fällen oder bei wenig geeigneten Startbedingungen machen wir diese Begleitung zur Voraussetzung, in anderen Fällen empfehlen wir sie ausdrücklich.
All dies dient dem Ziel, unseren Hunden einen sicheren Start und den Menschen eine tragfähige Grundlage für ein gemeinsames Leben zu ermöglichen.

