Ein ganzes Leben voller Liebe
Manche Geschichten vergisst man nie. Deine gehört für mich dazu, liebe Nebyra.
Als ich dich damals im Tierheim in Tortolì kennenlernen durfte, war da sofort dieses besondere Gefühl. Dein Blick, deine zarte, anhängliche Art – du bist mir direkt ins Herz gekrochen. Und ich habe mir so sehr gewünscht, dass genau die richtigen Menschen dich finden.
Sie haben dich gefunden.
Aus Nebyra wurde Amila – und aus einem Hund, der so lange warten musste, wurde ein geliebtes Familienmitglied, eine treue Begleiterin, ein Seelenhund. Zehn Jahre voller Leben, voller Abenteuer, voller Liebe. Genau das Märchen, das ich dir damals von Herzen gewünscht habe.
Zu lesen, welchen Platz du in deiner Familie hattest, wie innig du geliebt wurdest und wie viele gemeinsame Wege ihr gegangen seid, erfüllt mich heute mit tiefer Dankbarkeit – auch wenn der Abschied so unendlich schmerzt.
Liebe Amila, du hast dein Märchen nicht nur begonnen – du hast es bis zum letzten Kapitel gelebt.
Am 30.03.2026 musste dich deine Familie nach einem erfüllten, glücklichen Leben im Alter von 13 Jahren schweren Herzens gehen lassen.
Komm gut ins Regenbogenland, kleine Prinzessin. Du wirst unvergessen bleiben.
Hier der Abschied von Amilas Frauchen:
Hommage an meinen kleinen Engel Mili, meine Minnie-Maus, mein Häschen, meine so sehr geliebte Amila
Ich habe immer gehofft, niemals diese Zeilen schreiben zu müssen, was natürlich völlig irrational ist. Dennoch hofft man und glaubt auch irgendwie daran, dass das Leben endlos ist und man unendlich viel Zeit miteinander hat, auch wenn einem das Leben schon das Gegenteil gelehrt hat.
In Hundejahren gerechnet hatten wir das auch – viel Zeit zusammen. Zehn Jahre lang Seite an Seite, zuerst zu dritt, dann nach drei Jahren kam der kleine Balou zu uns und wir waren zu viert. Meine kleine Familie.
Mein Anspruch war es, dir das schönste Hundeleben auf Erden zu bereiten. Und ich hoffe, das ist mir auch gelungen. Wenn es möglich war, hast du – und später auch Balou – uns überall hinbegleitet. Um mehr Zeit zusammen zu verbringen, habe ich anfangs weniger gearbeitet, sodass wir noch mehr wertvolle Zeit miteinander hatten, durch Wälder und Parks zu streifen und Hundefreunde zu treffen. Dann habe ich mehr Home-Office machen können, sodass wir fast immer zusammen sein konnten.
In den zehn Jahren haben wir zwölf Länder zusammen in der fahrenden Hundehütte, unserem Bulli, bereist. Wir haben unzählige Wanderungen in vielen Ländern unternommen, du bist mit uns auf Berge in Deutschland, Österreich und der Schweiz gestiegen, du warst mit uns an unzähligen wunderschönen Stränden in Frankreich, Italien, Albanien, Kroatien, Griechenland, Holland und Belgien. Wir sind zusammen Kajak im Mittelmeer und auf Seen gefahren, wir haben zahlreiche lange Radtouren mit dem Anhänger in ganz Europa unternommen und wir sind zusammen durch viele Dörfer auf unseren Reisen gestreunert.
Mein kleines Fabelwesen, so oft in ihrer eigenen Welt. Meine Mili, die so gerne flanieren gegangen ist, durch Wälder, Felder, das Veedel, durch die Parks. Wir konnten dich immer ohne Leine laufen lassen. Denn wir waren auch ohne Leine immer miteinander verbunden. Du hattest immer ein Gespür, um wen man einen Bogen macht oder wen man beschnüffeln kann. Weil du so sensibel warst und so ein besonderes Feingespür hattest, was Menschen und Tiere angeht. Trotzdem hast du immer einen kleinen Kamm bei jeder Hundebegegnung gemacht, sozusagen als Selbstschutz, wobei du zu jedem Hund freundlich und lieb warst. Was dich immer wieder glücklich gemacht hat, waren hübsche Jungs mit langen Haaren, am liebsten Collies oder Aussies, aber auch mal ein kleiner Jack-Russell-Terrier, mit denen du so lange gerne gespielt hast. Immer hat dich ein hübscher Rüde auf einem Lebensabschnitt begleitet. Geflitzt, gespielt, geflirtet, so wunderschön anzuschauen. Wenn du glücklich warst, war ich es auch. So einfach war das.
Balou war dein kleiner Bruder. Er hat sich an dir orientiert. Du warst sein Kompass. Er hat dich genauso geliebt wie wir. Deine Schnauze wurde jeden Tag mehrfach intensiv von ihm abgeschlabbelt und liebkost. Ihr zwei wart ein Team, miteinander verbunden, obwohl ihr beiden unterschiedlicher kaum sein konntet und er deine Nähe immer mehr gesucht hat als du seine. So warst du. Dir hat es gereicht, wenn du uns im Blickfeld hattest, aber gerne ein paar Meter entfernt, am Strand, auf der Wiese. So viele Mili-Suchbilder habe ich von dir gemacht, weil du z.B. wieder im hohen Gras ein paar Meter von Bulli entfernt gelegen hast.
Ich vermisse die Spaziergänge mit dir unendlich. Meistens waren wir zu dritt unterwegs – du, Balou und ich. Und wenn wir zu viert waren, waren wir komplett. Niemals sah ein Tag gleich aus. Immer andere Wege, die oft du bestimmt hast, immer andere Hunde treffen, was du besonders spannend gefunden hast. Bei jedem Spaziergang mindestens einmal stehen bleiben und mit mir kuscheln. Dein kleines Gesicht in meinem Arm, dich fest drücken, Liebe spüren und Liebe geben und dann wieder weitergehen. Wie sehr mir unser Ritual fehlt, mein kleines Häschen.
Später mit dem Alter bist du ein wenig ruhiger geworden. Bist gerne, wenn wir zusammen unterwegs waren, immer ein Stückchen hinter uns gelaufen, uns alle im Blick, die Welt bewundernd und bestaunend. Meine sanfte Seele.
Deine Freiheitsliebe war leicht zu erklären. Deine ersten Lebensjahre hast du in einem Käfig in einem tristen, trostlosen Tierheim auf Sardinien verbracht. Über STREUNERHerzen haben wir dich gefunden. So viele Hunde hatte ich mir vorher schon im Internet angeschaut. Und dann bist du mir aufgefallen, die schwarze sardische Schönheit, die so viel Liebe ausgestrahlt hat. Schon damals hat dein Blick mich über die Fotos und Videos sofort berührt. Intensiv und tief. Schon so lange hattest du hinter Gittern auf ein neues Zuhause gewartet hat. Dich wollte ich retten, dir wollte ich das schönste Leben schenken.
Nun war nach zehn Jahren bester Gesundheit und zum Glück auch Fitness der Moment plötzlich da, wo deine Zeit gekommen war, diese wundervolle Welt zu verlassen. Ich konnte es nicht mehr aufhalten, es war alles getan und versucht. Nun war es meine Verantwortung und auch Pflicht, dich zu erlösen und bis zum letzten Atemzug bei dir zu bleiben und dich zu halten. Pfote in Hand bin ich mit dir gegangen – bis zuletzt. Friedlich sahst du aus, als du gegangen bist, dein kleines Mäuse-Gesicht in meinen Händen.
Ich trage dich immer bei mir, mein Milinchen, in meinem Herzen, in meiner Seele, du bist ein Teil von mir. Wir vermissen dich alle schmerzlichst. Die einen leiser, die anderen lauter, aber innerlich sehnen wir dich alle schreiend herbei. Balou hat seine große Schwester verloren. Ich habe meine beste Freundin verloren, meinen Seelenhund, meine treueste Wegbegleiterin, mein Fels in der Brandung, mein Herz, meine Liebe. Überall sehe ich dich, überall spüre ich dich. Nachts, wenn ich aufwache, lausche ich, ob ich dein ruhiges Atmen höre, was mir in schweren Zeiten so oft Ruhe und Zuversicht gegeben hat. Du warst mein Ruhepol. Oder ob ich höre, wie du dich wie eine Katze wäschst und putzt.
Im Wald sehe ich dein kleines Gesicht zwischen den Bäumen hinter uns, wie du angaloppiert kommst, weil du an deinen Lieblingsorten etwas Erde oder Gras gefressen hast und zurückgeblieben bist. Ich sehe deine Augen, die voller bedingungsloser Liebe waren, überall. Und da bist du wieder bei uns, in meinen Gedanken, in meiner Trauer.
Die Dankbarkeit über die schönen Erinnerungen wird kommen. Im Moment aber verfluche ich den Tod, ich verfluche das Abschiednehmen, ich verfluche diese Leere und den Schmerz, der einem das Atmen und das Herz ganz schwer macht.
Meine Mili-Maus, wie schon zu Lebzeiten danke ich dir für deine unendliche Liebe und dein wundervolles Sein und gleichzeitig weine ich um dich und wünsche dich so sehnlichst herbei. Nochmal im Schnee mir dir durch die Schweizer Berge klettern, nochmal am Strand in Griechenland zusammen entlang spazieren, nochmal in der Adria in Kroatien gemeinsam Kajak fahren, nochmal Sonnenaufgang in Italien schauen und Sonnenuntergang in Frankreich. Alles nochmal, immer und immer wieder – du und wir.
Du fehlst so sehr in unserer Mitte, meine geliebte Minnie-Maus.
