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Robespiere

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Robespiere – ein sardischer Angsthund wird zur gelassenen Berliner Schnauze

Mein lieber Robespiere, deine Lebensgeschichte ist eine, die mich immer wieder tief berührt und fasziniert.

Du warst schon einige Zeit unter der Rubrik “Notfelle“ auf unserer Website eingestellt. Dir ging es nicht gut, immer wieder wurdest du das Opfer übler Mobbingattacken deiner Mitinsassen. Dein rechtes Ohr hatte inzwischen ein dickes Dreiangel und du bewegtes dich vor Angst fast nur noch auf den Hüttendächern. Auch sonst warst du sehr ängstlich. Vertrauen, das kanntest du nicht. Das Leben hatte es dich anders gelehrt.

Ich weiß, dass die Menschen, deren Pflegehund du später werden solltest, dich schon länger im Blick hatten und dir innigst die Daumen für eine Ausreise drückten.

Als bei ihnen wieder ein Pflegeplatz frei wurde und du immer noch in deinem Gehege in Olbia ausharren musstest, war es gar keine Frage mehr. Nun war deine Zeit gekommen, durch die Pforten des Tierheims gehen zu können und nicht mehr zurück blicken zu müssen.

Deine Pflegeleute holten dich am Flughafen in Düsseldorf ab und fuhren mit dir zurück nach Berlin. Wie erwartet zeigtest du dich wahnsinnig ängstlich. Du hast dich die ersten drei Tage vor Anspannung nicht lösen können. Nicht draußen und nicht im Haus. Deine Leute sind dann mit dir bewusst so um die 30 Mal am Tag zu dem ersten Baum auf der Wiese vor dem Haus gelaufen. Am Anfang sind eigentlich nur deine Leute gelaufen, du musstest mehr gezogen werden. Aber bald kanntest du das Prozedere, hast verstanden, dass dir da draußen nichts Schlimmes passiert. Auch zeigtest du deutliches Interesse an Ansprache und Kontakt zu deinen Pflegis. Du hattest eigentlich mehr Angst vor deiner eigenen Courage…

Und dann kam Tag vier und du hast dich gelöst und gelöst und gelöst. Und dann wolltest du ein bisschen mit den anderen Hunden der Pflegestelle toben und danach viel gestreichelt werden.

Fortan zeigtest du eine vergleichsweise rasante Entwicklung, du warst zwar immer noch skeptisch und dein Schwanz war oft unter deinem Bauch geklemmt, aber du hattest deutlich Lust mit von der Partie zu sein und alles in dieser bunten Welt zu erkunden.

Parallel zu der Entwicklung deines Tatendrangs meldete sich ein sehr nettes Paar aus Berlin bei mir und bekundete sein Interesse an dir. Da für die beiden ganz zeitnah der Urlaub anstand, gab es (nach Erhalt des ausgefüllten Fragebogens) erstmal nur WhatsApp-Kontakte zwischen den beiden und deinen Pflegeleuten. Natürlich wurden Fotos und kleine Videos geschickt und dein Pflegefrauchen meinte später, es wäre deutlich spürbar gewesen, wie sich deine beiden Menschen auf die Entfernung in dich verliebt hätten.

Und so, mein lieber Robespiere, wurde aus dir - der französischen Herkunft deines Namens treu geblieben – Merlot:

Aus Merlot ist ein sehr freundlich reservierter Hund mit einer tiefen Grundgelassenheit geworden. Er lebt in der Berliner Innenstadt, sein zweites Wohnzimmer ist ein Kleingarten am Stadtrand, hier hat er seine Vorratskammer an Knochen, die er viel lieber vergräbt, als sie zu essen. Ein Hund, der immer noch für schlechte Zeiten vorsorgen will.

Er geht neugierig auf Hunde und andere Menschen zu, hält aber höflich Distanz. Er hat ein paar tolle Spielkameraden gefunden, meist Hunde, die so schnell rennen können wie er und auch aus dem Tierschutz stammen. Wenn er noch so richtig in Spielfreude ist, aber andere Hunde oder die Menschen längst K.O. sind, wird er manchmal laut, um die anderen anzutreiben. Das sind die wenigen Male, die er bisher gebellt hat.

In der Stadt brauchte er ein wenig Zeit, um zu lernen, dass Straßenbahnen, Lastwagen und Müllautos und Menschenansammlungen zwar große Monster, aber eigentlich ungefährlich sind. Seine Neugier hat ihm sehr geholfen, mit seinen Ängsten klarzukommen. Er kann sich immer noch schnell erschrecken, aber fast genauso schnell beruhigen. "Ein Tier mit hoher Resilienz", sagte seine Hundetrainerin.

Weil er sensibel und aufmerksam ist, hat er in kurzer Zeit Grundbefehle wie Sitz, Platz und Komm gelernt, schon auf der Pflegestelle war er ein Musterschüler für Rückrufbefehle. Auch, dass auf der Straße nicht alles, was lecker riecht, gleich gefressen werden sollte, weiß er inzwischen. Er war ein paar Stunden in der Hundeschule, vor allem stand dort Bordstein-Training auf dem Plan. Mit seinem Herrchen läuft Merlot inzwischen meist ohne Leine, sein Jagdtrieb ist bei Null, bei Frauchen ist er leinenführig und muss nicht jeden Baum inspizieren.

Merlot verlässt sich sehr auf seine Nase. Gerüche sind sein größter Spaß. Er und seine Halter haben deshalb Mantrailing entdeckt. Ein großer Spaß für beide. Und der Hund nimmt jedes Mal eine Extraportion Selbstbewusstsein mit.

Und so hat wieder einmal eine sardische Schnauze ein tolles Heim bei tollen Menschen gefunden. Wir freuen uns sehr und wünschen euch, lieber Merlot, liebe Katharina und lieber Jörn viele spannende, innige und freudvolle Jahre miteinander.

Merlot genießt sein Berliner-Schnauzen-Dasein seit dem 08.10.2016 in 13353 Berlin.


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