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Diletta

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Liebe Diletta,
eigentlich hatten dein Frauchen und Herrchen sich fest vorgenommen, nach dem Tod der beiden alten Hündinnen erst einmal ein hundeloses Jahr zu verbringen, den langersehnten Urlaub nachholen zu können und all das zu tun, was ohne Hund einfacher ist zu tun...

Als eine Freundin im Winter über unseren Verein den großen Don adoptierte und die alte Dame Fiamma als Gnadenbrothund zu sich holte, kam dein Frauchen nicht drum herum, die StreunerHerzen-Seite regelmäßig zu besuchen. Schon einmal war sie kurz davor, ihren Vorsatz zu brechen. Bevor es ganz "ernst" wurde, war aber die ausgespähte Hündin bereits vermittelt.

Kurze Zeit danach wurde dann doch beschlossen: "Ohne Hund geht es nicht" und die Urlaubspläne wurden abgeändert. Im Sommer sollten genug Urlaubstage für den Einzug und die Eingewöhnung einer neuen vierbeinigen Begleiterin zur Verfügung stehen.

Auf der Suche nach einer geeigneten Hündin stießen wir auf dich, die Entscheidung stand fest. Schnell waren die Formalitäten erledigt, und dann begann es, das lange Warten!

Ende Juni war es dann soweit:

Sehnlichst erwartet, kam Diletta (jetzt Gianna) abends um kurz vor elf am Flughafen Köln an. Sie war ziemlich in Panik und nicht zu bewegen, von der Flugbox bis zum Auto zu laufen, sodass sie sozusagen von Box zu Box ins Auto verfrachtet wurde. Die ca. 3-stündige Autofahrt verlief völlig problemlos, zuhause angekommen wollte sie aber im Stockdunkeln nicht aussteigen und war so ängstlich, dass an einen kurzen Spaziergang zum Lösen nicht zu denken war. Ihre Geschäfte erledigte sie dann in der Nacht im Haus, aber das war das einzige Mal, sie war vom nächsten Tag an absolut stubenrein, traute sich aber die ersten Tage draußen auch nur einmal am Tag (wenn überhaupt) Pipi zu machen.
Da wir in der ersten Etage wohnen, musste sofort bei Ankunft eine Treppe bewältigt werden, was Gianna mit etwas Überredung auch machte. Treppe runter war zwei Tage problematisch, aber dann ging auch das. Die erste Nacht schlief sie erst in unserem Schlafzimmer, dann im Flur auf dem Fußboden, ihren Korb (die inzwischen heißgeliebte Kudde) entdeckte sie erst nach ein paar Tagen für sich, legt sich aber nur rein, wenn keine Decke oder Matte darin liegt.
Die ersten Spaziergänge mussten wir sie doppelt sichern, sie kreiselte nur um einen herum, bzw. drückte sich gegen die Beine, aber schon am ersten Abend ging es besser als am Morgen. Überhaupt hatte und hat sie mit Dingen draußen wenig Stress, seien es Autos, Motorräder, Radfahrer, Busse, Trecker, Züge, die sie zwar zunächst anguckt, aber keine große Angst zeigt.
Angst hat sie vor allem vor Menschen und Hunden, womit wir, ehrlich gesagt, nicht gerechnet hatten. Die ersten Tage versteckte sie sich unterm Tisch oder lief hektisch in der Wohnung hin und her, wenn jemand Fremdes (z.B. unsere Hausmitbewohnerin aus der unteren Etage) hereinkam. Das legte sich leider nicht, sondern nach einigen Tagen fing sie dann an, Besucher anzuknurren, anzubellen und ihnen die Zähne zu zeigen, noch ein paar Tage später tat sie das dann auch bei meinem Mann, der die ganzen Tage mit in der Wohnung gewesen war, aber plötzlich nicht mehr neben mir von ihr akzeptiert wurde. Das schockte uns erst mal, hatten wir doch einen menschenfreundlichen, relativ gelassenen Hund erwartet, und wir fragten uns, ob wir mit Gianna wohl klarkommen würden oder sie gar abgeben müssten. Nach einigen Telefonaten mit Frau Riesenberger, Frau Wilhelm und einer Freundin, die Don und Fiamma aus der Lida ein Zuhause gegeben hat, war uns klar, ein Hundetrainer muss her und zwar ziemlich schnell, bevor dieses Verhalten sich festsetzt oder noch schlimmer wird. Da ich zwar schon einige Hunde hatte, aber bislang nie einen, der aus Angst nach vorne geht, wäre ich da ohne Rat aufgeschmissen gewesen.
Gott sei Dank fanden wir schnell eine Hundetrainerin, die sich auf Hunde, die aus riesigen Tierheimen aus dem Ausland kommen, spezialisiert hat, Glück gehabt!
Sie besuchte uns zuhause und stellte sofort einen Regelplan für Gianna und uns auf, machte uns aber gleichzeitig Mut, dass Gianna mit Geduld, Konsequenz und klarer Führung ein klasse Hund werden würde. So wurde einiges in der Wohnung umgestellt und eine Tür wieder eingehängt, damit der Hund nicht mehr an strategisch wichtigen Plätzen in der Wohnung liegen und uns nicht auf Schritt und Tritt kontrollieren konnte. "Ihr müsst dem Hund glaubhaft klar machen, dass er nicht zu führen braucht, sondern dass ihr das selbst könnt!", so das Motto der Hundetrainerin. Meinen Mann akzeptierte sie nach einigen Tagen mit kleinen Rückfällen, inzwischen ist die Lage zwischen den beiden wirklich entspannt. Was Besuch angeht, üben wir munter weiter, auch das bessert sich schon, wird aber noch dauern.
Vor Hunden hat Gianna auch Angst, teilweise richtig Panik, sodass sie draußen weiterhin nur mit Sicherheitsgeschirr geführt werden kann. Manche Hunde sind kein Problem, vor allem die, die eher weggucken und nicht gleich auf sie zugehen. Auch wenn ich mit meiner Freundin und deren drei Hunden spazieren gehe, ist das meist unproblematisch, wir gehen einfach ruhig alle in eine Richtung und gut. Wir hoffen, dass sie sich auch da stabilisiert und uns glaubt, dass sie nicht auf die Hunde losgehen muss, um sich zu schützen, wenn sie nicht fliehen kann.
So kann man sagen, dass wir zwar mit dieser großen Unsicherheit bei Gianna nicht gerechnet hatten, es aber auch für uns ein wirklich wertvoller Lernprozess ist. Wir hoffen sehr und sind inzwischen zuversichtlich, dass sie irgendwann ohne Angst mit Menschen und Hunden umgehen kann und sind froh, dass wir es weiter mit ihr versucht haben. Und wenn man sieht, wie sie sich langsam traut, etwas aus sich herauszugehen, sich freut oder draußen ein Stück ausgelassen rennt, ohne sich gleich vor Angst auf die Erde zu schmeißen, ist das einfach schön. Sie liebt übrigens Wasser, als sie den ersten Bach ihres Lebens sah, sprang sie sofort rein. Auch im Gras liegen und an Grashalmen kauen, wird genossen, an der Leine läuft sie völlig problemlos und zieht auch meistens nicht, klasse! Und eine Schönheit ist sie natürlich sowieso...


Liebe Diletta, der Start in dein neues Leben war holprig - aber mit Hilfe deiner Menschen schaffst du es bestimmt, weiterhin Stein für Stein aus dem Weg zu räumen.

Die große Sorge deines Frauchens, dass du nicht allein bleiben könntest, hast du übrigens sofort zerstreut: Das ist für dich ein Klacks. Und auch das Autofahren, für den ein oder anderen Sarden erst noch gewöhnungsbedürftig, mochtest du von Anfang an.

Diletta, die nun auf den klangvollen Namen Gianna hört, zog am 30.06.2014 in ihr neues Heim in 33100 Paderborn. Wir wünschen der sardischen Fraktion in Neuenbeken weiterhin viele schöne Hunde-Menschenspaziergänge und -begegnungen!


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