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Accio

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Opa Accio oder aber "Abenteuer alter Hund"

Nachdem wir unsere Pflegehündin Mizar schweren Herzens in ein liebevolles Endzuhause haben ziehen lassen, war in unserer Familie abgespochen, den nächsten L.I.D.A. Pflegi im Frühjahr 2015 zu uns nach Berlin aufs "Sprungbrett" zu holen. Doch es sollte anders kommen: Ein sehr alter, dürrer, müffelnder, tauber und klappriger Herdenschutzhund stockt seit Oktober 2014 die Bewohneranzahl unseres Haushaltes auf. Und er ist ein wahrer Herzenszupfer: So rührend, zuckersüss, schön, anspruchslos, weise, unaufdringlich..........

Accio ist noch immer stolz, unabhängig und eigenständig, ja fast majestätisch, eben ein wahrer Herdenschutzhund. Es macht uns traurig, dass dieses wundervolle Tier seine Jahre hinter Zaungittern verbringen musste.

Uns bleibt nun noch ein einziger Wunsch: Lieber Gott mach', dass unserem würdevollen Accio noch genügend Zeit bleibt, um seinem Restleben endlich einen guten Geschmack zu geben. Wir werden auf ihn achten und sind sehr froh, ihn bei uns zu haben.

Accio ist ein Gnadenbrothund. Viele Jahre, seit seiner Jugend, hat er die Gitterzäune vor seinen Augen gehabt. Kein schweifender Blick, keine Entscheidungsmöglichkeiten, keine grenzenlose Weite - all das, was einen Herdenschutzhund ausmacht auf Sardinien, wurde Accio nie ermöglicht. Stattdessen hat er einige Gehege in dem überfüllten Tierheim durchlebt, hat Freunde verloren auf tragische Art und Weise, weil sie totgebissen wurden, durch Alterstod oder weil sie tatsächlich das Sprungbrett bekamen, ein Leben in Würde zu genießen und vermittelt wurden. Accio hat all dies weit über 10 Jahre ertragen. Schlussendlich war er zu schwach für sein Gehege. Als letzter Senior in diesem, wurde er auf die Piazza geholt und dort haben wir ihn das erste Mal gesehen. Manchmal schäme ich mich dafür, dass wir so lange einen freundlichen Hund nicht gesehen haben, aber bei 700 Hunden, wie soll man alle Blicke erwiedern?

Accio wurde gesehen, wenn auch erst in hohem Alter, von dieser wundervollen Familie. Nun hat er einen großen Garten, eine riesige Hundehütte, die er liebt. Er ist immer noch voller Würde, die konnte ihm keiner brechen. Langsam gewöhnt er sich an so viel Freiheit, an einen Blick ins Grüne, an zwei Hunde, die an seiner Seite leben und dieses Leben schon verinnerlicht haben. Man darf nicht verheimlichen, dass es manchmal schwer ist, so einen alten Hund aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen. Manchmal muss man sich fragen "macht das noch Sinn?".

Die Antwort kennt man erst, wenn man eine Entscheidung getroffen hat. Bei Accio haben wir uns die ersten Tage diese Frage immer und immer wieder gestellt. War es gut, kommt er mit seinem neuen Leben klar, ist es zu anstrengend, wäre es besser gewesen, er wäre dort gestorben, hinter Gittern, in seinem Zuhause?

Jetzt wissen wir es, er gewöhnt sich langsam an das neue Leben. Bewegt sich immer öfter und freier. Seine Hundehütte ist dabei immer sein Lager, sein Rückzug. Die Menschen lässt er immer öfter gewähren, fängt an, die Vorzüge zu erkennen und zu nutzen. Er wird behandelt, seine Krallen sind geschnitten, sein alter Staub, die verklumpten, dreckigen Haare an seinen Hinterläufen und am Schwanz gehören endlich der Vergangenheit an.

Viele Tierärzte hätten sicherlich bei Ankunft gesagt "der gehört nur noch eingeschläfert". Ja, unsere Vorstellung von Hundeleben ist ein anderes, wir entscheiden uns manchmal richtig und manchmal vielleicht auch zu früh, ein geliebtes Wesen gehen zu lassen. Bei diesem Hund haben wir alles auf eine Karte gesetzt und nicht gewonnen, aber ein gutes Gefühl, richtig entschieden zu haben. Er wird es nochmal merken, dass das Leben es jetzt, genau jetzt, gut mit ihm meint. Er hat einen Namen, er hat eine Familie und einige Herzen zutiefst berührt. Jetzt soll es ihm einfach nur noch gut gehen. Vielleicht Tage, vielleicht Wochen, wenn wir viel Glück haben, Monate.

Sagen wir Danke an eine Familie, die Mut hatte, das "Abenteuer alter Hund" anzugehen. Erst mit Respekt, dann ein wenig Angst und nun erfüllt es sie zutiefst. Auch wenn vieles neu ist und man sich umstellen muss, ist es eine besondere Erfüllung, die man verspürt.

Wir wünschen Accio nun alles erdenklich Gute. Die Schmerzen sind ihm durch Schmerzmittel genommen, er ist so frei, wie er nie sein konnte, er darf entscheiden, wann er berührt werden möchte, wann er schlafen möchte und wann er ins Haus kommt, um seine Neugier zu stillen. Manchmal blinzelt er schon einen dankbaren Augenaufschlag in Richtung Frauchen. Das ist genug, um zu wissen, dass seine letzten Tage die besten sein werden.

Accio hat seine große Hundehütte am 09.10. in Berlin bezogen und wir hoffen, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bevor er uns verlassen muss.

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