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Angelo

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Angelo

4. August 2017, 23.00 Uhr

Mein lieber Angelo,

vor vier Stunden bist Du aus unserem Leben, in das Du vor sechs Wochen und vier Tagen gekommen bist, so ganz plötzlich heraus und völlig unerwartet über die Regenbogenbrücke gegangen. Es kam derart schockartig, dass ich nun, da ich mich etwas gefasst habe, mich von Dir mit tiefer Traurigkeit und gleichzeitiger Freude darüber, Dich bei uns gehabt zu haben, verabschieden und noch einmal all die schönen Erlebnisse mit Dir in Erinnerung rufen möchte!

Für Amy, die aus dem selben Tierheim und wahrscheinlich auch mit ähnlich trister Vergangenheit wie Du zu uns kam, wollte ich einen gleichaltrigen Freund in unsere Familie holen – ich fand Dich und hoffte, ihr beiden Senioren könntet gute Kumpels werden. Deine Ankunft am Flughafen hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt: Du großer stolzer Hund warst so verängstigt, dass Du keinen Schritt in dieser Dich so verwirrenden fremden Umgebung machen konntest und wir Dich zum Auto tragen mussten. Doch als wir zu Hause ankamen und Du Amy schwanzwedelnd hinter dem Gartentor entdecktest, bist Du freiwillig aus dem Auto gesprungen und ihr beiden habt Euch begrüßt.

Du hast Dir im Zeitlupentempo Deine neue Welt erschlossen: Mit spürbarer Angst, Unsicherheit, Skepsis – und doch auch mit kurzen Momenten des Fröhlichseins, der Freude, des Genusses! Wenn Du ganz aufrecht und voller Erwartung hippelig vor mir gesessen und Dich auf das Leckerli gefreut hast, sah ich Deinem Gesicht an, wie glücklich Du in solch einem Moment warst. Zu Beginn allerdings warst Du so verängstigt, dass Du den ganzen Tag im Garten unter den Sträuchern lagst und ich Dich am Abend nur mit Mühe ins Haus zurückholen konnte. Bald aber entdecktest Du das Haus als Deinen "Schutzbereich“ und Dein neuer Liegeplatz wurde der Teppich vor der Couch (die Dir im Rücken Sicherheit gab), den Du Amy "klautest", sie ihn jedoch Dir großmütig überließ!! Dorthin flüchtetest Du immer, wenn Dir etwas nicht geheuer war – dort fühltest Du Dich sicher und dort bist Du heute auch ruhig eingeschlafen.

Deine Menschen-Bezogenheit hat die Kontaktaufnahme zu Dir sehr erleichtert. Wenn uns die Freunde, mit denen wir Dich am Flughafen abholten, besuchten, war es schön mit anzusehen, wie unbefangen Du auf sie zugingst, ihnen die Leckerli abnahmst, sie Dich streicheln und beschmusen konnten. Und mit ihrer Hündin Lucy verstandest Du Dich sich super.

Was mir zunächst Kummer machte, war Deine ausgeprägte Angst vor Halsband/Geschirr/Leine. Doch ich fand eine wunderbare emphatische und sanfte Hundetherapeutin, mit der wir regelmäßig übten, um Dir in kleinen Schritten die Welt außerhalb unseres Grundstückes vertrauter und weniger angsteinflößend zu machen. Nach kurzer Zeit gab es einen "Durchbruch", denn das erst Mal liefst Du mit der Hundetherapeutin Viola eine kleine Runde. Mit vielen Sitz-Aufenthalten unterwegs, viel Sträuben und noch stark spürbarer Angst - aber Du bist gelaufen. Viola kam täglich für eine Trainingsstunde und der Fortschritt war zunächst tatsächlich nur zentimeterweise feststellbar.

Und dann geschah ein Wunder: Fünf Tage vor Deinem Tod liefen wir mit Amy und dem Hund Feivel von Viola diese gleiche Runde – Du bist besser und zügiger als am Tag zuvor gelaufen, bliebst seltener stehen bzw. setztest Dich nur einmal hin. Und einen Tag später schafften wir es sogar bis in den Wald - Du machtest keinerlei Anstalten, Dich zu setzen, im Gegenteil, trotz der Hitze war Dein Tempo relativ flott (für Deine Verhältnisse !!!)! Im Wald schnüffeltest Du sogar kurz neugierig im Gras und schautest Dich interessiert um in dieser Dir so fremden Umgebung. Für mich war dies ein Wendepunkt und ich war total glücklich, weil dies ein Anfang zu sein schien …

Doch es war alles zu schön, um wahr zu sein...Es fiel ein großer Schatten auf diese Freude, der unser Leben nach und nach verdunkelte.

Ich kann es immer noch nicht fassen, dass vor vier Tagen alles begann und Du nun nicht mehr bei uns bist: Am Dienstag hast Du weder Leckerli noch Dein Futter am Abend gewollt (völlig ungewöhnlich für Dich !), am Mittwoch ebenso und Du musstest Dich übergeben, Du hast öfter als sonst gepieselt und Dein Urin war dunkelgelb, am Donnerstag wurdest Du von meiner Tierärztin durchgecheckt – mit einem schrecklichen Befund: Deine Augen, Deine Haut und Mundschleimhaut waren gelb, Deine Leber bereits geschrumpft und degeneriert, der Bluttest ergab einen erhöhten Tumor-Marker-Wert sowie einen erhöhten Gallenwert. Als meine Ärztin heute um 18.00 Uhr erfuhr, dass Du trotz der dritten Infusion wieder nicht gefressen hast und Deine Augen gelber als gestern sind, kam sie gegen 19.00 Uhr zu uns, sah die dunkelgelbe Färbung Deiner Mundschleimhaut sowie der Bauchhaut und wir beide waren uns einig, dass Du nicht noch eine vierte Nacht durchleiden solltest. Du hattest vier Tage nichts gefressen, kaum getrunken, Deine Schleimhäute waren dunkel-ocker und die geschrumpfte Leber nicht regenerierbar - Deine Schwäche verbunden mit der in Deinen müden Augen so schmerzlich zu sehenden Apathie war spürbar.

Daher haben wir heute, nachdem Dein Zustand immer desolater wurdest, Du Dich zurückgezogen hattest unter Deinen geliebten Rhododendron, entschieden, Dich zu erlösen – mit der schrecklichen Erkenntnis, Dir nicht mehr helfen zu können. Und Du solltest ohne zu leiden gehen dürfen…

Amy hat Dich freundschaftlich bis zur Regenbogenbrücke begleitet: Mein Tierärztin und ich saßen neben Dir auf dem Boden, sie bereitete die Spritze vor und auf einmal kam Amy zu uns, legte sich direkt vor Dich, Eure beiden Schnauzen berührten sich fast, sie war völlig entspannt, so als ob sie auf Dich diese Ruhe übertragen und Dir damit zu verstehen geben wollte, dass sie Dir beisteht und Dich "begleitet". Meine Tierärztin und ich streichelten Dich und ließen Dich bis zu Deinem letzten Atemzug unsere Liebe spüren. Amy lag sehr lange neben Dir, nachdem Du friedlich eingeschlafen warst...

Geliebter Angelo, wie sehr hätte ich Dir gewünscht, dass Du noch intensiver die Welt da draußen hättest kennenlernen (nach all den quälenden Jahren im Tierheim), dass Du auf langen Spaziergängen in unserem Wald die interessantesten Gerüche und Pflanzen hättest erschnuppern dürfen – aber es sollte nicht sein. Und wie ich vorhin erfuhr, ist Dein geliebter Bruder Antonello, den Du nach seinem Tod so schmerzlich vermisst hast, höchstwahrscheinlich an der gleichen Krankheit gestorben.

Für die kurze Zeit vom 19. Juni bis 4. August warst Du unser geliebtes Familienmitglied. Mein Lieblingsfoto von Dir machte ich an einem sonnigen Morgen in unserem Garten, in dem wir beide in bester Stimmung herumliefen, Du schnuppertest an den Blumen und dem Gras. Als wir dann umdrehten und auf das Haus zuliefen, Deiner "Burg" der Sicherheit, ranntest Du schneller, Deine Rute wedelte freudig und als ich Deinen Namen rief, drehtest Du Dich um zu mir und warfst mir diesen für Dich so typischen Blick zu! So werde ich Dich in meinem Herzen bewahren.

Nun bist wieder mit Antonello zusammen – und Deine schönen Augen dürfen für immer fröhlich blicken!! Ciao, tesoro mio, ci vediamo in un altro mondo!!! Und Danke für alles.

Amy, Tiffy, Minusch, Pünktchen, Uta


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